Denn, um es endlich auf einmal herauszusagen, der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.
Schiller, Über die ästhetische Erziehung des Menschen, 15. Brief
Die ArbeitsGemeinschaft Theater Rämibühl wurde 1972 von Peter Marxer, Deutschlehrer am Literargymnasium, mit der engagierten Unterstützung des damaligen Rektors Hans Ulrich Voser begründet und bis 1995 geleitet. Nach einer erfolgreichen Theaterproduktion zur Eröffnung der neuen Aula Rämibühl - einer Bearbeitung von Eichendorffs „Krieg den Philistern“ - entwickelte Marxer die Idee eines kontinuierlichen Theaterunterrichts als Freifachangebot: Eine musisch-humanistische Pionierleistung angesichts der damals üblichen Schultheaterpraxis, das Theaterspiel lediglich projektbezogen zu fördern. Nach dem plötzlichen Tod ihres Begründers wurde die AG Theater bis 1996 interimistisch durch Richard Rutishauser, einem langjährigen Mitarbeiter Marxers, betreut; seither liegt ihre Leitung in den Händen von Christian Seiler, ehemals Schüler des Literargymnasiums, heute Regisseur, Schauspiellehrer, Theaterpädagoge und Dozent für Theatergeschichte. Die Co-Leitung des Theaterkurses liegt seit dem Herbst 2009 bei der Choreografin und Tanzpädagogin Lucia Baumgartner.
Der im Rahmen der ArbeitsGemeinschaft vom Literargymnasium als Freifach angebotene Theaterkurs gibt allen Schülerinnen und Schülern der Kantonsschulen Rämibühl ab dem 10. Schuljahr die Möglichkeit, Theater nicht nur literarisch oder theoretisch, sondern auch praktisch kennenzulernen. Das Theaterspiel steht im Zentrum dieses Faches, in dem es um die Entfaltung der Spiellust, des individuellen natürlichen Spieltalents und um das Kennenlernen des Handwerks dieser uralten künstlerischen Disziplin geht. Die Mitwirkenden können sich dabei als lebendige, ausdrucksfähige Einheit von Körper, Geist und Gefühl erfahren, wobei die menschliche, kommunikative und soziale Kompetenz ebenso gefördert wird: Die Erschaffung und Behauptung des eigenen Spiel-Raums bei gleichzeitiger Wahrnehmung und Respektierung des Spiel-Raums der Anderen ist ein wichtiges Thema; da Theaterspielen immer auch Nachahmung menschlicher Handlungen ist, gehört zur Konzentration auf den Ausdruck des eigenen Ich auch das verstehende Einfühlen in fremde Charaktere und fiktive Situationen.
Der wöchentlich 2 1/2 Stunden dauernde Unterricht thematisiert das Körper-Bewusstsein und die körperliche Aktion, Atem, Stimme, Sprechen, Grundlagen und Techniken der szenischen Darstellung wie die Improvisation.
Im Rahmen des Theaterkurses wird jedes Jahr mit einem Team von professionellen Theaterleuten ein Aufführungsprojekt erarbeitet, das den Bedürfnissen und Bedingungen der AG Theater und ihren Mitwirkenden entspricht.
Die AG Theater wurde mit ihren letzten vier Projekten vom Jungen Schauspielhaus Zürich für die Mitwirkung an seinem jeweils Ende Mai im Schiffbau stattfindenden Schultheatertreffen nominiert. Für die Produktion 'Das Spiel vom neapolitanischen Haupt-Rebellen Masaniello' von Christian Weise erhielt sie vom Schauspielhaus den Jurypreis 'Zürcher Theaterlöwe 2008' zugesprochen.