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2001
Wie es euch gefällt / Ein Theater-Spiel für Männer und Frauen / nach William Shakespeare




Die Clowns geben die Hoffnung nicht auf, Frauen und Männer zusammenzubringen. Männer unter sich bevorzugen Machtspiele: Herzog Frederick und Oliver de Boys,
die beiden "bösen Brüder".
Zuweilen trennt Frau und Mann nur wenig vom Ja-Wort ...
Orlando de Boys, Celia und Rosalinde.
... aber manchmal ist die Sehnsucht auch schmerzhaft einseitig und die Distanz unüberbrückbar: Phoebe und Silvius.

TAGES-ANZEIGER, 30. MÄRZ 2001

Die Liebe ist nur ein Wahnsinn


Shakespeare ist ein Abenteuer. Wie geht man es am besten an?
Ein Mitglied der AG Theater Rämibühl berichtet.


Rada Leu

Die grundsätzliche Idee hinter unserer Fassung von "Wie es euch gefällt" ist die der verschiedenen Ebenen, zwischen denen gewechselt werden kann. Die erste Ebene: die Schauspieler der Theater AG Rämibühl. Die zweite Ebene: diese Schauspieler spielen eine Schauspieltruppe, die im Wald von Arden (dem utopischen Wald der Liebe und der Sorglosigkeit) wiederum das Stück spielt. Dies ist eine Herausforderung, sowohl für unser Denkvermögen als auch für dasjenige des Publikums.

Doppelsinn der Verkleidung
Bei den Proben setzte sich unsere Theatergruppe sehr intensiv mit den Unterschieden zwischen Frau/Mann und Liebe/Entfremdung auseinander. Wir stellten die konträren Welten des Hofes - "ein Ort voll Hass und Missgunst" - dem Ardenner Wald gegenüber, wo man lebt "wie in der goldenen alten Zeit". Wir gehen noch einen Schritt weiter als Shakespeare, indem wir das "goldene Zeitalter" als Zeitalter des Theaters begreifen. Szenisch wird das so dargestellt, dass es zwei grosse Bühnenhälften gibt, die durch einen Spalt getrennt sind, welcher die geistige Einzwängung des Hofes symbolisiert.
Shakespeare treibt in diesem Stück ein Lieblingsthema seiner Zeit theatralisch auf die Spitze: das des androgynen Menschen und der Verkleidung. Rosalinde, als Mann verkleidet, versucht Orlando, ihren Geliebten, von seiner "Liebeskrankheit" zu heilen, indem sie ihm wiederum die Rolle der Rosalinde vorspielt. Orlando ist aber so verliebt, dass er sie nicht als seine Geliebte erkennt. Das Ganze wird noch etwas verwirrender, als die Schäfer Phoebe und Silvius dazukommen: Silvius liebt Phoebe, Phoebe aber liebt Ganymed, Ganymed liebt Orlando, Orlando liebt Rosalinde und Ganymed ist Rosalinde, als Mann verkleidet. Alles klar?

Frauen und Männer getrennt
Dem Publikum ist alles klar. Nach dem Stück wird auch allen verständlich, wieso Frauen und Männer am Eingang getrennt werden und sich gegenübersitzen müssen: weil sie sich dadurch schon vor dem Spielbeginn mit dem Gedanken über Frau/Mann befassen müssen. Die Trennung soll beim Publikum die philosophische Einsicht fördern, dass man/frau die Welt nur aus der eigenen, unvollständigen Perspektive erkennen kann. Für mich als Schauspielerin ist es interessant, mit dieser Trennung zu spielen, weil jede Szene auf die Männer eine andere Wirkung hat als auf die Frauen.
Das dritte Thema des Stückes ist das des Narren: Als Rosalinde vom Hof in den Wald flüchtet, um ihre verbannte Mutter zu suchen, nimmt sie den Narren ihres Onkels mit. Er steckt alle Waldbewohner mit dem "Narrenfieber" an, das heisst, alle werden zu Narren und machen Unfug. Der Narr wirkt bei Shakespeare weniger aus der Situationskomik als aus der Brillanz der Gedankenführung und Sprache. In unserer Aufführung dient er auch dazu, eine Verbindung zwischen dem Männer- und dem Frauenpublikum herzustellen. Denn eigentlich sind sie ja gar nicht so verschieden, oder?