AG THEATER PROJEKT 2010
WILLAM SHAKESPEARE
DAS WINTERMÄRCHEN

Nachdem die AG Theater letztes Jahr mit 'Shopokalypse oder Die Welt als Supermarkt' ein selbst entwickeltes Projekt zum aktuellen Thema der globalen Finanz- und Wirschaftskrise verwirklichte, wünschte sich die Mehrheit des diesjährigen Ensembles, mit William Shakespeares 'Wintermärchen' wieder einmal von einer gegebenen Vorlage auszugehen, bei der es mit theatralischen Mitteln eine Geschichte zu erzählen gilt. Nach 'Wie es Euch gefällt' (2001), 'After Juliet' (2005), 'M. Ein Mordsstück' (2006) und 'In einem Traum wie diesem' (2007) nimmt die AG Theater somit ihre Auseinandersetzung mit Texten und Themen des grossen englischen Dramatikers wieder auf. im 'Wintermärchen' (1610/11), einem der vier Spätwerke Shakespeares, die als 'Romanzen' bezeichnet werden, steht im Gegensatz zu seinen früheren Werken nicht der dramatische Konflikt realistischer Situationen, sondern die Erzählung einer zeitlich wie örtlich weit ausgedehnten Geschichte im Vordergrund, die vom König Leontes handelt, der wegen seiner Eifersucht seinen besten Freund und seine Familie verliert, doch nach sechzehn Jahren wie durch ein Wunder wiederfindet. Shakespeares Stück spielt in einem poetischen Traumland, wo Böhmen am Meer und das Orakel von Delphi nahe bei Sizilien liegt, die verschiedensten Kulturen unserer Geschichte koexistieren. Dem Autor geht es darin mehr noch als in früheren Stücken nicht nur darum, das Publikum mit einer reizvollen Story zu faszinieren, sondern zusammen mit dem Zuschauer über das Wesen des verletzlichen menschlichen Lebens in seiner gefährdeten Existenz nachzudenken, das von einer Macht ganz besonders beherrscht wird: der Zeit, die auch als Figur, als Chorus im Stück auftritt. Unsere Herausforderung, diese dramatische 'winter's tale', unter welcher die Zeitgenossen Shakespeares ein Grusel- oder Schauermärchen verstanden, mit dem man sich das Warten auf den Frühling abkürzt, einem heutigen Publikum nahe zu bringen, könnte bei eben diesem Thema der Zeit ansetzen, die sich in unserer Gegenwart in erschreckender Weise beschleunigt hat und uns alle in einen Sog der Veränderungen und Verwandlungen zieht, über die wir den Überblick zu verlieren drohen.
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